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Sonntag, 25. Juli 2010

Liebe Post...

Dass Fernsehwerbung nicht in jedem Fall von den Prinzipien von Wahrheit und Objektivität bestimmt ist, liebe Post AG, darüber müssen wir uns keine Illusionen machen. Aber was Sie (das vertrauliche Duzen, das ich in solchen Einträgen sonst an den Tag lege, möchte ich mir in diesem Fall doch lieber verkneifen) in Ihren derzeitigen TV-Werbespots für Ihren geplanten epost-Dienst betreiben, lässt sich nur noch mit sehr groben Worten charakterisieren.

Das Blöde, liebe Post AG, ist dabei nicht die Dreistigkeit, mit der Sie offenkundig falsche Behauptungen wie die vom Briefgeheimnis, das Sie endlich und als erste ins Internet bringen, in die Welt setzen. Das Blöde ist auch nicht, dass ausgerechnet die von Ihnen angebotene Form der Kommunikation mit "Briefgeheimnis" eher wenig zu tun hat, weil Sie ganz offen anbieten, die Nachrichten Ihrer Kunden zu öffnen, auszudrucken, zu verpacken und per Briefträger auszutragen. Briefgeheimnis bedeutet nicht, dass es für Sie, Post AG, nicht gilt.

Das Blöde ist eher, dass die Welt Ihren Dienst nicht braucht, weil es schon seit dem letzten Jahrtausend durchaus Möglichkeiten gibt, das Briefgeheimnis für Email durchzusetzen, indem man die eigenen Nachrichten mit einem gängigen Verschlüsselungssystem so verschlüsselt, dass nur der Empfänger - und wirklich nur der, liebe Post AG, und nicht etwa Sie oder andere Anbieter, die mit dem ebenso überflüssigen und ebenso unsicheren De-Mail-Dienst Geschäfte machen wollen - sie lesen kann. Blöd ist in diesem Zusammenhang leider außerdem, dass sich interessierte Nutzer von der tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Komplexität solcher Verschlüsselung bisher abschrecken lassen.

Das Blöde, liebe Post AG, ist aber schließlich, dass Ihr schon fast widerwärtig geschickt gemachter Werbespot in all seiner nach Kernseife duftender demonstrativer Aufrichtigkeit wohl tatsächlich Erfolg haben wird. Und dass ich dann Menschen, die meinen, mir eine von Ihrer Sorte Briefgeheimnis triefende Nachricht schicken zu müssen, in mühsamer Einzelarbeit davon überzeugen muss, dass wirklich sichere Email anders aussieht.

5 Kommentar(e):

th-o.de hat gesagt…

Kann man GnuPT (mit Windows Privacy Tray) den Leuten nicht schmackhaft machen? Portable aufn Stick natürlich.

Thomas Honesz hat gesagt…

Wow, als ich gestern abend den Spot sah, kamen mir spontan genau die selben Gedanken in den Kopf. Ich hoffe ja fast, dass sich irgendwelche Scriptkiddies dazu veranlasst sehen das tolle "Briefgeheimnis" der e-Post mal offenzulegen ... am Besten irgendwelche Konversation von ganz, ganz wichtigen Menschen, damit das ganze auch schön skandalträchtig untergeht.

Konstantin Klein hat gesagt…

@th-o.de Ich möchte es ja nicht glauben, aber das Desinteresse der Leute, die ich kenne, an GnuPG und allem, was dazugehört, ist schon atemberaubend. Wahrscheinlich haben die Marketingleute von Post, Telekom & Co. genau das bemerkt und machen jetzt ein Geschäft draus.

Sebastian hat gesagt…

Herr Klein, grandios. Genau wie sie es geschrieben haben, denke ich das auch, nur leider konnte ich es bis jetzt noch nicht so großartig ausdrücken.

@th-o.de genau so geht es mir auch. Ich habe einige Leute in meinem Freudeskreis, die auch eher "verschlossen" sind aber GnuPG nicht nutzen wollen (Obwohl sie aus der Informatik kommen).

Ich stehe dem ganzen auch eher abgeneigt gegenüber. Allein schon der Kosten wegen.

Sven hat gesagt…

Während kein Mensch den Epost Brief wirklich braucht, bleibt dennoch zu befürchten, dass die Politik genau das in den kommenden Jahren fordern wird um "sichere Übermittlung von Daten bei behördlichen Angelegenheiten" sicherzustellen.

Mich würde es nicht wundern, wenn die Post diesen Unfug NUR gemacht hätte, weil schon im Vorfeld von der Politik grünes Licht erteilt wurde. Warten wir es ab

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